Baden-Württemberg vor dem aus
200.000 Wohnungen fehlen – und Baden-Württemberg blutet aus
Die tagesschau meldet nüchtern: In Baden-Württemberg fehlen rund 200.000 Wohnungen. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich eine soziale und wirtschaftliche Katastrophe, die längst außer Kontrolle geraten ist. Es ist nicht nur eine Wohnungsnot – es ist der schleichende Aderlass eines ganzen Bundeslandes.
Wer heute in Stuttgart, Freiburg, Tübingen oder im Großraum Mannheim einen Job annimmt, steht oft vor einer absurden Realität: Die Miete frisst 40, 50 oder gar 60 Prozent des Einkommens. Ein normales Gehalt reicht nicht mehr für ein normales Leben. Pflegekräfte, Handwerker, IT-Fachkräfte, Erzieher, Ingenieure – sie alle sollen hier arbeiten, aber nicht mehr hier wohnen können.
Die Folge ist eine Abwärtsspirale:
- Die Mieten steigen schneller als die Löhne.
- Menschen finden keinen bezahlbaren Wohnraum.
- Sie pendeln immer weiter oder geben ganz auf.
- Fachkräfte wandern ab – in günstigere Regionen oder ins Ausland.
- Unternehmen verlieren Mitarbeiter oder finden keine neuen.
- Um überhaupt noch Personal zu halten, müssen Firmen immer höhere Gehälter zahlen – oft das Zwei-, Drei- oder Vierfache dessen, was früher ausreichte.
Doch selbst das reicht häufig nicht. Denn was nützt ein höheres Gehalt, wenn der Wohnungsmarkt es sofort wieder auffrisst? Unternehmen stehen vor einer grotesken Situation: Sie investieren Unsummen in Recruiting, Einarbeitung und Lohnsteigerungen – nur damit der neue Mitarbeiter nach wenigen Monaten wieder kündigt, weil er keine Wohnung findet oder sich schlicht nicht mehr über Wasser halten kann.
Das ist kein individuelles Problem mehr. Das ist ein Standortnachteil von historischem Ausmaß.
Produktionslinien stehen still, Pflegeheime finden kein Personal, Handwerksbetriebe müssen Aufträge ablehnen, Start-ups scheitern nicht an Ideen, sondern an Quadratmetern. Baden-Württemberg, einst Motor der deutschen Wirtschaft, beginnt an seiner eigenen Untätigkeit zu ersticken.
Und die Politik?
Sie diskutiert. Sie vertagt. Sie erstellt Konzepte, Gutachten und Absichtserklärungen. Währenddessen explodieren die Mieten weiter. Baugenehmigungen dauern Jahre. Vorschriften ersticken jedes Projekt. Bürgerinitiativen blockieren Wohnungsbau, und die Politik knickt ein. Sozialer Wohnungsbau wird gefeiert, aber kaum umgesetzt. Kommunen wollen Wachstum, aber keine neuen Gebäude. Man will Fachkräfte – aber bitte ohne Baustellen, ohne Verdichtung, ohne Veränderung.
Das Ergebnis ist ein Zynismus in Beton gegossen:
Ein Bundesland, das Arbeitskräfte braucht, aber ihnen keinen Platz zum Leben bietet.
Wer heute Baden-Württemberg verlässt, tut das nicht aus Lust, sondern aus Not. Junge Familien ziehen weg. Berufseinsteiger geben auf. Menschen mit systemrelevanten Berufen pendeln zwei, drei Stunden am Tag – bis sie irgendwann sagen: „Es reicht.“
Eine Wirtschaft kann ohne Menschen nicht funktionieren. Und Menschen können ohne bezahlbaren Wohnraum nicht bleiben.
Die Wohnungsfrage ist längst zur Schicksalsfrage geworden. Wer sie weiter ignoriert, zerstört nicht nur soziale Stabilität, sondern auch die wirtschaftliche Zukunft dieses Landes. Jede nicht gebaute Wohnung ist ein verlorener Mitarbeiter. Jede politische Verzögerung ein weiterer Grund zu gehen.
Baden-Württemberg verliert – nicht plötzlich, sondern leise. Wohnung für Wohnung. Mensch für Mensch.

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