Wenn Medikamente krank machen: Willkommen in der deutschen Psychopharmaka-Spirale!

Wenn Medikamente krank machen: Willkommen in der deutschen Psychopharmaka-Spirale!



Eine 18-Jährige braucht mehr Energie. Sie bekommt ein weiteres Antidepressivum. Danach kann sie nicht mehr schlafen. Also bekommt sie Schlafmittel. Dann kommen Kopfschmerzen, Schlafprobleme und psychischer Stress. Und irgendwann fragt sich niemand mehr, ob das zusätzliche Medikament überhaupt die richtige Entscheidung war.


Willkommen in einer Medizin, in der aus einem Problem schnell drei werden können!


Es beginnt mit einer jungen Patientin, die bereits 150 mg Sertralin einnimmt. Ihr Problem: Sie hat zu wenig Energie, fühlt sich antriebslos und möchte ihren Alltag wieder besser bewältigen.


Die Lösung des Psychiaters: Zusätzlich Bupropion 150 mg.


Bupropion ist ein aktivierendes Antidepressivum. Es kann bei bestimmten Patienten sinnvoll sein, insbesondere bei Antriebsmangel. Doch es kann auch erhebliche Nebenwirkungen haben. Eine davon: Schlaflosigkeit.


Und genau das passiert.


Die Patientin kann nachts nicht mehr schlafen. Was folgt? Statt zunächst die gesamte Medikamentenkombination und die Notwendigkeit der zusätzlichen Behandlung kritisch zu hinterfragen, kommt das nächste Medikament ins Spiel: Schlafmittel.


Jetzt wird es absurd.


Ein Medikament soll Energie bringen, verursacht möglicherweise Schlafprobleme, und ein weiteres Medikament soll diese Schlafprobleme wieder ausgleichen. Dazu kommen Kopfschmerzen und zunehmende Belastung.


Die Patientin setzt Bupropion schließlich eigenständig ab, nimmt zunächst die Schlafmittel weiter und setzt irgendwann auch diese ab. Danach ist ihr Schlaf völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Sie fühlt sich gestresst und psychisch immer schlechter.


Und jetzt sitzt sie wieder beim Psychiater.



Aber wo ist eigentlich die ursprüngliche Behandlung geblieben? Und wer hinterfragt, ob das zweite Medikament möglicherweise der Auslöser der ganzen Entwicklung war?


150 mg oder gar nichts? Die Frage nach der individuellen Dosierung


Besonders interessant wird es beim Blick in die USA.


Dort sind Bupropion-Tabletten auch mit 75 mg erhältlich. In Deutschland sind die gängigen Bupropion-Retardpräparate zur Depressionsbehandlung dagegen vor allem mit 150 mg und 300 mg verfügbar.


Das wirft eine durchaus berechtigte Frage auf: Warum stehen Patienten hierzulande nicht bei jedem Präparat dieselben Möglichkeiten einer fein abgestuften Dosierung zur Verfügung?


Natürlich bedeutet eine niedrigere Dosierung nicht automatisch weniger Nebenwirkungen. Auch die Freisetzungsform spielt eine entscheidende Rolle. Eine normale 75-mg-Tablette ist nicht einfach mit einer 75-mg-Retardtablette gleichzusetzen.


Aber genau darum geht es doch: Menschen sind keine Maschinen!


Nicht jeder Körper reagiert gleich. Nicht jeder Mensch verträgt dieselbe Dosierung. Und nicht jede therapeutisch übliche Dosis ist automatisch für jeden Patienten die richtige.


Warum muss eine junge Patientin möglicherweise mit einer Dosierung zurechtkommen, die für sie persönlich nicht gut verträglich ist, während eine feinere Dosierungsmöglichkeit eine Diskussion wert wäre?


Und nein: 75 mg sind in Deutschland nicht grundsätzlich gesetzlich verboten. Es geht um die tatsächlich verfügbaren und zugelassenen Präparate und die Möglichkeiten einer individuellen Behandlung.


Die Medikamenten-Spirale: Nebenwirkungen bekommen ihr eigenes Rezept


Das eigentliche Problem geht weit über diesen Einzelfall hinaus.


Wir müssen endlich darüber sprechen, wie schnell aus einer Behandlung eine Medikamentenkette werden kann.











- Medikament eins verursacht möglicherweise Beschwerden.

- Medikament zwei soll diese Beschwerden ausgleichen.

- Medikament zwei verursacht neue Nebenwirkungen.

- Medikament drei soll die neuen Nebenwirkungen behandeln.

- Am Ende weiß der Patient kaum noch, welche Beschwerden von der Erkrankung und welche von den Medikamenten stammen.


Und das nennen wir dann Behandlung?


Natürlich können Antidepressiva Leben retten. Sie können Menschen aus schweren Depressionen helfen und ihnen Lebensqualität zurückgeben. Aber das darf kein Freifahrtschein sein, um Nebenwirkungen zu verharmlosen oder immer neue Medikamente hinzuzufügen.


Gerade bei jungen Menschen muss besonders genau hingeschaut werden.


Eine 18-Jährige sollte nicht das Gefühl bekommen, dass sie immer weitere Medikamente benötigt, nur weil die vorherige Entscheidung neue Probleme geschaffen hat.


Deutschland: Wo bleibt der Mut, eine Behandlung zu hinterfragen?


Es ist falsch zu behaupten, Ärzte dürften die Dosierung nicht selbst entscheiden. Sie haben durchaus medizinischen Entscheidungsspielraum und tragen die Verantwortung für die individuelle Behandlung.


Aber genau diesen Spielraum müssen sie auch nutzen!



Warum wird nicht häufiger gefragt:


- Ist das zusätzliche Medikament wirklich notwendig?

- Überwiegt der tatsächliche Nutzen die Nebenwirkungen?

- Könnte die bestehende Medikation überprüft werden?

- Sind die neuen Beschwerden möglicherweise medikamentenbedingt?

- Gibt es eine andere Darreichungsform oder eine besser verträgliche Alternative?

- Muss wirklich noch ein weiteres Medikament hinzukommen?


Es darf nicht sein, dass Patienten irgendwann mehr Medikamente gegen die Nebenwirkungen ihrer Behandlung benötigen als für ihr ursprüngliches Problem.


Und es darf erst recht nicht sein, dass Patienten mit ihren Beschwerden allein gelassen werden, weil die Medikamentenliste inzwischen so kompliziert geworden ist, dass niemand mehr das Gesamtbild betrachtet.


Wir brauchen eine Medizin für Menschen – keine Medizin für Medikamentenpläne!


Die entscheidende Frage ist nicht, wie viele Medikamente ein Psychiater verschreiben kann.

Die entscheidende Frage ist, ob es dem Patienten damit tatsächlich besser geht.


Wenn eine junge Frau wegen Energiemangels behandelt wird und am Ende mit Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, zusätzlichem Stress und einer immer komplizierteren Medikation dasteht, dann muss man diese Behandlung kritisch hinterfragen dürfen.


Nicht jede Nebenwirkung braucht ein neues Rezept.


Manchmal braucht es eine ehrliche Bestandsaufnahme, eine Überprüfung der Dosierung und den Mut, eine Therapieentscheidung zu korrigieren.


Denn ein Medikament, das ein neues Problem schafft, darf nicht automatisch mit einem weiteren Medikament verteidigt werden.


Wir sollten aufhören, Patienten beizubringen, dass sie jede Nebenwirkung einfach hinnehmen müssen.


Wir sollten anfangen, wieder die richtigen Fragen zu stellen.


Denn am Ende sollte nicht der Medikamentenplan im Mittelpunkt stehen. Sondern der Mensch, der eigentlich gesund werden möchte.






Medikamenten-Kaspertheater auf Kosten einer 18-Jährigen!




Es begann mit Sertralin 150 mg. Wegen Antriebsmangel wurde zusätzlich Bupropion 150 mg verschrieben. Doch genau hier liegt das Problem: Die Patientin vertrug die aktivierende Wirkung offenbar nicht und bekam massive Schlafprobleme.


In den USA gibt es Bupropion auch als 75-mg-Tablette. In Deutschland sind die gängigen Retardpräparate dagegen erst ab 150 mg erhältlich. Eine feinere Dosierungsmöglichkeit hätte zumindest geprüft werden müssen.


Was folgte, war eine regelrechte Medikamenten-Odyssee:


Sertralin + Bupropion → Schlafmittel → Venlafaxin → erhöhte Leberwerte → Fluoxetin ohne Wirkung → Clomipramin mit extremen Nebenwirkungen → zurück zu Sertralin.


Eine 18-Jährige, zahlreiche Medikamente, immer neue Nebenwirkungen und am Ende wieder am Ausgangspunkt.


Natürlich lässt sich nicht beweisen, dass eine niedrigere Bupropion-Dosis diesen Verlauf verhindert hätte. Aber genau diese Frage hätte ernsthaft gestellt werden müssen!


Wie kann es sein, dass wir immer neue Medikamente verschreiben, statt rechtzeitig zu hinterfragen, ob die Dosierung und die ursprüngliche Therapie überhaupt zum Patienten passen?


Ein Mensch ist kein Versuchslabor. Und Psychiatrie darf keine endlose Kette aus Nebenwirkungen und Gegenmedikamenten werden!

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